Stell dir vor, du könntest deinen Pool kostenlos auf über 30 °C erwärmen – nur mit der Kraft der Sonne. Hier ist, wie ich es geschafft habe.
Die ersten Pfützen und Pools
Angefangen haben wir mit eher kleinen Pools. Die Kinder waren noch sehr klein, also waren eher flache Planschbecken als richtige Pools angesagt, die jeden zweiten oder dritten Tag mit frischem Wasser aufgefüllt werden.
Wirklich nachhaltig ist das nicht und gerade in Zeiten, in denen Wasser aufgrund ausbleibender Niederschläge eher knapp war und die Bevölkerung gebeten wird, achtsamer mit Wasser umzugehen waren zunehmend Gewissensbisse spürbar. Mit steigendem Alter der Kinder durften die Planschbecken auch größer werden.
Irgendwann war dann die Größe erreicht, ab der man nicht mehr alle zwei bis drei Tage den Pool neu befüllt. Ein Rundpool mit aufblasbarem Ring und etwa 3 m Durchmesser sollte es sein.
Mit dem Pool wurde die erste Wasserpumpe mit Filtersystem angeschafft. Bewusst größer dimensioniert, denn auf die billig und spielzeugartig anmutenden, winzigen Pumpen der Poolhersteller wollten wir nicht vertrauen. Eine goldrichtige Entscheidung, wie sich später herausstellte.
2022 – Initialzündung im Herbst
Wir hatten in diesem Jahr noch Freude mit unserem Rundpool auch wenn der aufblasbare Ring doch langsam nachgab und alle paar Stunden wieder mit Luft befüllt werden musste.
Nach dem Sommer ist vor dem Sommer. Im Herbst gab es einen Stahlrahmenpool eines bekannten Herstellers im Angebot. Gute 4 m Breite auf 2 m Länge und 70 cm Tiefe zu einem unschlagbaren Preis. Der musste es sein. Wir hatten soweit alles Zubehör, das wir brauchten.
2023 – Der erste Poolaufbau und seine Herausforderungen
Ich wühlte mich durch die Aufbauanleitung und schaffte es, die unterschiedlich langen Stangen so zusammenzustecken, dass sich die rechteckige Form ergab.
Die ganze Zeit zweifelte ich, ob es denn korrekt sein konnte, dass ich noch nichts mit der Plane gemacht habe, in der später das Wasser eingefüllt wird, das Grüst aber schon steht.
Ich blättere also immer weiter in der Aufbauanleitung und zum Schluss war es dann abgebildet: Ich hätte die Plane während des Zusammensteckens des Gestänges sukzessive mit Einfädeln sollen.
Also gut, Gestänge zum Großteil wieder demontiert und Plane eingezogen.
Irgendwann war der Pool fertig. Er stand tatsächlich und ich konnte mich um die Verschlauchung kümmern Ich entschied mich schlussendlich für diese Schläuche. Alles ganz einfach. Vom Pool in die Pumpe durch den Filter in den Pool. Eine Poolfolie mit Aufroller durfte nicht fehlen.
Das Wasser wurde nicht so richtig warm. Also eigentlich gar nicht.
Ich redete mir ein, dass 22°C ja eigentlich ganz gut wären. Den Rest der Familie überzeugte das wenig.
Für das kommende Jahr sollte Abhilfe her.
2024 – Das erste Mal mit Heizung
Ich hatte mir Videos und Produktrezensionen zu Solarkollektoren angeschaut. Denn ich war weder bereit den Preis für eine elektrisch betriebene Heizung bezahlen, noch für die laufenden Kosten aufzukommen.
Ich wollte, dass der Pool aufheizt, während die Pumpe das Wasser umwälzt und filtert. Mein innerer Schwabe war in freudiger Erwartung, als stolzer Besitzer eines Balkonkraftwerks, die Heizung ohne laufende Kosten zu betreiben.
Die Auswahl an Solarkollektoren war groß. Von stylisch aussehenden Schneckenhausförmigen über Sprungbrettförmige bis hin zu eher einfachen und flachen Modellen, die es sowohl aus weichem Kunststoff, als auch aus formstabilem Kunststoff gab.
Ich entschied mich für eines dieser flachen Modelle. Die Variante aus weichem Kunststoff fiel für mich raus. Sobald der Druck zu groß ist, platzen die Dinger, wie ich in diversen Rezensionen gesehen habe.
Also das Modell aus stabilem Kunststoff. Ich hatte mich im Vorfeld informiert und dabei herausgefunden, dass die Fläche des Solarkollektors mindestens zwei Drittel der Oberfläche des Pools betragen sollte, um effektiv zu arbeiten. Ich entschied mich für ein etwas größeres Modell, um das Preis-Leistungs-Verhältnis zu optimieren. Wärmer geht ja im Zweifel immer.
Der Pool war bald aufgestellt, die Verschlauchung erledigt, die Poolfolie bzw. der Aufroller montiert.
Der richtige Aufstellort
Ich begann zu überlegen, wo der richtige Aufstellort für die Solarkollektoren war. Im Prinzip gab es drei Möglichkeiten.
- An den Zaun hängen
- Auf die Garage packen
- Auf die Wiese legen
Die Wiese war eine rein theoretische Möglichkeit. Dafür ist das Grundstück nicht groß genug und ich möchte mich nicht ärgern, wenn Kinder beim Spielen auf den Solarkollektor treten und ihn beschädigen.
Ich entschied mich, die Variante mit dem Garagendach auszuprobieren. Das lief eigentlich gar nicht so schlecht. Aber ich merkte schnell anhand der Druckanzeige, dass die Pumpe doch ordentlich damit zu kämpfen hatte, das Wasser in die Höhe und durch den Solarkollektor zu pumpen.
Außerdem zog das gesamte System Abends, wenn die Pumpe ausgeschalten wird, Luft.
Also Möglichkeit 1: An den Zaun hängen. Das lief besser. Der Pool erhitzte sich am Tage merklich und auch die Familie erfreute sich an dem kühlen Nass.
Irgendwie hatte ich mir mehr versprochen
Leider ist unser Garten erst ab der Mittagszeit bis höchstens 17 Uhr in der Sonne. Keine perfekten Bedingungen für einen Solarkollektor, der zu allem Übel auch noch flach am Zaun hängt.
In der Nacht kühlte der Pool aber so sehr ab, wie er tagsüber aufheizte. Da der Solarkollektor nur 5-6 Stunden Sonne am Tag hat, reichte das nicht.
Mit 26°C war der absolute Rekord erreicht. Ernüchternd.
Der Pool kühlte immer wieder zu stark aus. Es konnte nur zwei Ursachen haben:
- Ich hatte, entgegen der Empfehlungen im Netz, auf einen Bypass für den Solarkollektor verzichtet. Das ist nicht klug wenn man bedenkt, dass auch an kälteren Tagen das Wasser durch den Solarkollektor gepumpt wird und durch die große Oberfläche dann Wärme abgibt. Die Pumpe ausschalten ist keine Option, denn das Wasser muss gefiltert werden.
- Während des Badespaßes fiel immer wieder auf, dass sich der Boden des Pools sehr kalt anfühlt. Ich war mir sicher, dass hier ebenfalls viel Wärme verloren geht.
Ich hatte also Verbesserungen für das Folgejahr. Eine Isolierung unter dem Pool und einen Bypass für den Solarkollektor.
2025 – Über 30°C im Pool
Bereits im April baute ich den Pool während einer warmen Periode auf.
Ich mähte den Rasen mit der Motorsense so weit ab, bis fast kein Gras mehr zu sehen war, legte die neu gekauften Moosgummiplatten als Isolierung für den Boden aus und stellte den Pool darauf.
Auch die Solarplane samt Aufrollmechanismus wollte montiert werden.
Dann war der Solarkollektor dran. Ich hatte in mehreren Rezensionen gelesen, dass nach dem ersten Jahr an mehreren Stellen Wasser austreten kann. Ich klopfte dreimal erfolgreich auf Holz und hing sie, wie im Jahr zuvor, senkrecht an den Gartenzaun.
Zum Schluss kümmerte ich mich um die überraschend komplexe Verschlauchung mit Bypass und Rückführung in den Pool über den normalen Einlass, alternativ über einen kleinen Wasserlauf, der herrlich vor sich hin plätschert.
Wasser Marsch!
Es dauert eine ganze Weile, bis der Pool voll kühlem Nass ist. Um die 4.000 Liter hatte ich ausgerechnet, braucht es, bis der Pool gefüllt ist.
Nach der Wärmeperiode im April folgten einige Wochen, die zwar nicht wirklich kalt, aber definitiv zu kalt für den Pool waren. Der Pool kam trotz der zusätzlichen Maßnahmen nicht auf Temperatur und ich grübelte schon laut, ob ich es nicht doch mit einer elektrischen Heizung versuchen sollte. Zumindest um den Solarkollektor bei seiner Arbeit zu unterstützen.
Dann aber kamen einige warme und sonnige Tage hintereinander und die Temperatur des Pools stieg stetig an. Über Nacht verlor er um die 3 °C, was deutlich weniger als im Jahr zuvor war, tagsüber stieg die Temperatur dann jeweils um 5 °C.
Jeden Tag 2 °C mehr, wenn das Wetter mitspielt. „Kann ich doch auf die zusätzliche Heizung verzichten“? Die Maßnahmen mit dem Bypass und der Bodenisolierung scheinen also doch geholfen zu haben.
Der große Tag
Dann war es soweit. Die angekündigte Hitzewelle Anfang Juli sollte über uns rollen. Ich war bereit. Der Pool auch.
Ich stehe um 6 Uhr auf. Draussen waren es noch frische 17 °C. Ein Blick auf das Thermometer im Pool sagt 25 °C Wassertemperatur. „Heute schaffen wir die 30 °C“, denke ich mir entschlossen, nachdem die letzten Tage schon mehrfach 28 °C erreicht wurden.
Der Tag nimmt seinen Lauf. Ab 11:30 Uhr bekommt der Solarkollektor wie üblich Sonne ab. Ich schliesse den Bypass und leite das Wasser durch die feinen Röhrchen des Solarkollektors.
Um 15 Uhr ist es dann soweit. 30 °C Wassertemperatur und die Erkenntnis, dass ich es gar nicht wärmer will. „Abkühlung fühlt sich anders an“ stelle ich fest.
Aber es war geschafft. Auch ohne zusätzliche Heizung, die nicht nur in der Anschaffung, sondern auch im Unterhalt kostspielig ist habe ich eine Wassertemperatur erreicht, die für meinen Geschmack zu warm ist.
Fazit
Durch die Kombination eines Solarkollektors, einer Poolfolie, eines Bypasses und Dämmplatten konnte ich die Pooltemperatur auf über 30 °C erhöhen – ganz ohne zusätzliche Heizkosten.
Cheers!